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Live Stream FC Bayern München - Hamburger SV 14.02.2015 Bundesliga

Live Stream FC Bayern München - Hamburger SV
Bayern: Die Parallelwelt beginnt nicht weit weg von der Säbener Straße. Ein paar Kilometer nach Süden, Richtung Berge, und plötzlich wird man gewahr, wie alles größer wird: Autos, Gartenmauern, Häuser, Sonnenbrillen. Es ist schön in Grünwald, wo viele Menschen den Eindruck machen, dass Reichtum zum Leben gehört wie der allmorgendliche Kaffee. München ist nah, aber doch fern. Genau deshalb kaufen sich die, die es sich leisten können, in Grünwald ein Haus. Auch Franck Ribery wohnt in der 11 000-Seelen-Gemeinde, die zu den einkommensstärksten Flecken Deutschlands zählt. Er fühlt sich wohl hier. Die, die wissen, unter welchen Umständen Ribery in Boulogne- sur-Mer im Norden der Normandie groß geworden ist, können das gut verstehen. Wer in Boulogne anfängt und in Grünwald landet, darf sich glücklich schätzen. Ribery schaffte es von ganz unten bis ganz oben, sportlich wie finanziell. Er hat aber nicht nur beruflich sein Glück gefunden. Vielmehr ist Ribery sogar heimisch geworden, in Grünwald, in München, beim FC Bayern. Das erreicht zu haben, ist die eigentliche Leistung des Rekordmeisters. „Wenn mir einer mal gesagt hätte, dass Franck in einem ruhigen Vorort mit Blick auf die Alpen glücklich wird, dann hätte ich ihm nicht geglaubt“, sagt sein Berater und Freund Jean-Pierre Bernes.

„Doch er ist glücklich in München, vielleicht mehr als je zuvor.“ Riberys zweite Tochter und sein Sohn sind hier geboren, sein Deutsch ist durchaus zu verstehen. Siebeneinhalb Jahre spielt der Franzose nun schon für Bayern. Allein Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sind länger da. „Ich hätte 2007 nicht gedacht, dass er 2015 noch bei Bayern spielt. Es ist sehr selten, dass ein ausländischer Fußballer zu einem Verein kommt und dort so lange bleibt. Das ist schon ganz erstaunlich“, sagt Bernes, der 2007 gemeinsam mit Alain Migliacco den Deal abwickelte. Lang ist’s her. Es war das Jahr, in dem der VfB Stuttgart Deutscher Meister und ein gewisser Theofanis Gekas Torschützenkönig wurde; der Bundespräsident hieß Horst Köhler und die Firma Apple brachte ein Telefon namens iphone auf den Markt. Der FC Bayern war zum Bundesliga-Finale auf Platz 4 verstoßen, Oliver Kahn hielt noch die Bälle. Damals, im Juni 2007, sorgten die Münchner europaweit für Aufsehen, als sie für den Franzosen von Olympique Marseille 25 Millionen Euro zahlten.

Es war bis dahin der teuerste Transfer der Bundesliga. Ribery, 24 Jahre alt, hatte zu dem Zeitpunkt bereits für sechs Vereine gespielt. Es war eine Investition, die sich der Verein wohl überlegt hatte. „Vorher war Ribery bekannt dafür, dass er in jedem Jahr irgendwohin wechselt“, sagt Karl-Heinz Rummenigge, damaliger und aktueller Vorstandschef der Bayern. „Wir wollten ihn schon 2006 holen und haben zielgerichtet daran gearbeitet.“ Robert Louis-Dreyfus, seinerzeit Chef bei Olympique Marseille, wollte ihn 2006 nicht abgeben, deutete aber Gesprächsbereitschaft für 2007 an. „Das war ein Vorteil für uns.“ Am Ende war es schließlich ein Kampf zwischen Real Madrid und Bayern. Doch die Münchner hatten einen entscheidenden Vorteil, wie Bernes erzählt: „Bayern hat alles dafür getan, um ihn zu bekommen. Wirklich alles. Wenn man als Spieler spürt, dass die wichtigsten Personen eines Vereins sich so engagieren, fällt die Wahl leicht. Madrid wollte, zeigte aber nicht das gleiche Engagement wie Bayern.“ Vor allem mit Uli Hoeneß, der Ribery bei der Präsentation in einem Münchner Hotel erstmals persönlich traf, entwickelte Ribery schnell so etwas wie ein Vater- Sohn-Verhältnis. „Uli Hoeneß ist ein Mensch, den ich sehr respektiere“, sagt Ribery. „Er hat viel für mich getan, und das vergisst man nicht.“ Hoeneß schützte diesen Spieler in jeder heiklen Lage. Als Ribery einen Konflikt mit einem Fitnesstrainer hatte, bekam der eine Abmahnung. „Sorgen Sie dafür, dass Ribery sich wohlfühlt und fit ist!“, befahl Hoeneß dem Angestellten. Von Anfang an hatte Ribery einen ganz besonderen Status inne. Rummenigge erklärt das: „Wir haben nur eine Chance, dass solche Spieler so lange bleiben, wenn wir ticken, wie wir ticken; das heißt, wir müssen sie mental näher an uns binden. Wenn es um die reine Kassenlage geht“, so Rummenigge, „wird in Europa immer ein Klub mehr bieten.

Das Gesamtpaket FC Bayern ist gut: die Stadt, das Stadion, der faire und professionelle Klub plus der Trainer, Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes und jetzt Pep Guardiola. Diese Trainer waren immer wichtige Bezugspersonen.“ Der Vorstandschef ist sich sicher: „Wir können nur mit diesen Kleinigkeiten, die es bei Real, Barcelona, Manchester oder Chelsea nicht gibt, das Pendel zu unseren Gunsten ausschlagen lassen.“ Fußballerisch, das wurde schon im ersten Jahr schnell klar, hat Ribery alles, um die Massen zu begeistern. Wenn es zutrifft, dass Künstler sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie das Risiko zu scheitern in Kauf nehmen, dann ist die Nummer 7 des FCB ein ganz großer Fußballkünstler. Ribery probiert alles, immer wieder aufs Neue – Dribblings, Täuschungen, Haken. Er lässt sich durch nichts und niemanden beeindrucken. Die Fans begeistert dieser Mut, der gepaart mit der fußballerischen Klasse ein erstaunliches Gesamtpaket ergibt. Wie sehr der Franzose dem Offensivspiel der Bayern mitunter fehlen kann, machten die ersten beiden Rückrundenspiele deutlich. Ohne den verletzten Wirbelwind, der diesen Montag ins Lauftraining einsteigen soll, reichte es nur zu einem Punkt. Ribery ähnelt einem Aktionskünstler, der aus dem Impuls heraus agiert, der die Leinwand vollklatscht und hinterher staunt, dass die Leute Millionen dafür bieten. Ribery ist ein Fußballanarchist, der ohne Taktiktafel und Laufwege funktioniert. „Er ist der Typus Straßenfußballer“, sagt sein ehemaliger Trainer Jupp Heynckes. „Franck hat auf der Straße das Fußballspielen erlernt. Da bekommt man eine besondere Intuition, Fußball zu spielen“, so Heynckes. „Er spielt instinktiv, er hat den Fußball in sich.“ Um den rauszulassen, bedarf es mehr als eines vollen Stadions und eines üppigen Gehaltsschecks. Ribery braucht die persönliche Ansprache. Er muss die Wertschätzung des Trainers täglich spüren. Ein kleiner Klaps, eine Umarmung, eine Nachfrage, wie es der Familie geht.

Das reicht schon. Ribery muss nicht in die großen taktischen Grundsatzdiskussionen eingebunden werden. Er will lediglich seinen Fußball spielen, dafür braucht er Vertrauen. „Das ist das Wichtigste für ihn“, bestätigt Heynckes. „Dann geht er für dich durchs Feuer und macht alles. Franck hat eine hohe Sensibilität für solche Strömungen, für solche Empathie.“ Das wurde vor allem deutlich, als diese menschlichen Elemente nicht da waren – in der Zeit des Louis van Gaal. Mit dem Niederländer kam Ribery von Beginn an nicht klar, schnell rasselten sie aneinander. „Der Humor, die Nähe, der persönliche Kontakt, das alles ging mir ab“, sagt er. Für einen Trainer und Menschen, der ihn so behandelte wie van Gaal, wollte und konnte er sich nicht zerreißen. Unmöglich. „Franck liebt die Menschen, und er liebt es, geliebt zu werden“, erläutert Bernes. „Das ist das Geheimnis. Er mag es, wenn die Leute um ihn herum glücklich sind und wenn eine gute Atmosphäre herrscht.“ Nur auf dieser menschlichen Basis kann Ribery als Spitzenfußballer überleben, die „Ribery! Ribery!“-Rufe für den Publikumsliebling verleihen ihm Flügel. Die Wohlfühlatmosphäre ist seine Luft zum Atmen. Kein Wunder also, dass er in den Jahren 2009, 2010 einen Wechsel erwog, zumal van Gaal bald erklärte, dass er grundsätzlich nichts gegen einen lukrativen Verkauf hätte. „Da hatten wir ein Riesenangebot von Chelsea, es gab ein großes Interesse von Real“, bestätigt Rummenigge. Chelsea bot 65 Millionen Euro plus den Spieler José Bosingwa, der damals einen Marktwert von 15 bis 20 Millionen Euro hatte. „Wir sprechen also über richtig großes Geld“, so Rummenigge. Doch die Bayern lehnten einen Verkauf ab, „weil wir unseren besten Spieler nicht verkaufen wollten“, sagt Rummenigge heute. „Und damit zeigten wir der Fußballwelt, dass Bayern München nur noch ein Kaufklub ist. Das gilt bis heute. Wir werden keinen mehr abgeben, von dem wir glauben, dass er unersetzlich ist. Das war bei Franck so. Er war der Erste, bei dem wir diese Philosophie umsetzten.“

Die Verantwortlichen sprachen zu dieser Zeit intensiv und oft mit Ribery, manchmal luden sie auch seine Frau Wahiba mit zum Abendessen ein. Sie versprachen Ribery, alles dafür zu tun, dass er glücklich wird. Das zeigte Wirkung. „Ich bin sehr froh, dass ich damals hiergeblieben bin“, sagt Ribery heute. „Vor allem bin ich Hoeneß und Rummenigge sehr dankbar, dass sie gesagt haben, du bleibst.“ Auf den Klub konnte sich dieser Profi immer verlassen. Ob nach der Skandal-WM der Franzosen 2010 in Südafrika oder bei den Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts sexueller Kontakte mit einer Minderjährigen – der FC Bayern stand ihm immer zur Seite. Felsenfest. Das beeindruckt Ribery bis heute. „Er hatte ein paar Krisen, aber der Verein stellte sich immer vor ihn und hat ihn immer ge- und auch unterstützt“, sagt Rummenigge. „Das war entscheidend. Franck hat kapiert, dass wir eine besondere Bindung zu ihm haben.“ Und das ist der Hauptgrund, dass Ribery in München zu dem wurde, was er heute ist. „Es ist leicht, hinter einem zu stehen, wenn es immer läuft, aber wenn es Probleme gibt, dann Signale zu senden, dass man zu einem steht, das macht es besonders. Franck hat das sehr wohl registriert, er ist diesen Leuten für immer dankbar“, bestätigt sein Berater.

Riberys Top-Leistungen sind vor allem unter diesem Aspekt zu sehen. 2007 kam Ribery als Star, siebeneinhalb Jahre und 13 Titel später ist er ein Superstar, war sogar Europas Fußballer des Jahres. Die Menschen in München lieben ihn – anders als in Frankreich. Rummenigge erzählt die Geschichte, dass ein Schönheitschirurg Ribery eine kostenlose OP für die Narbe im Gesicht anbot, „doch Franck lehnte ab, weil das zu seinem Leben gehört. Und er möchte, dass sich sein Leben in seinem Gesicht widerspiegelt. Solche Sätze kommen bei den Fans an: Franck ist kein gekünstelter Mensch. Diese Ehrlichkeit mögen die Leute.“ Heynckes kann das nachvollziehen. „Franck ist geradlinig und nicht manipulierbar. Was er nicht will, will er nicht. Das macht ihn so ungewöhnlich als Spieler wie als Mensch: Wenn man ihn kennt, muss man ihn mögen.“ Genauso positiv äußert sich Riberys erster Trainer beim FC Bayern, Ottmar Hitzfeld: „Franck hat menschliche Qualitäten, er ist ein guter Mensch.“ Damals, in seinen Münchner Anfängen, „schlug er fantastisch ein“. 2017 läuft Riberys Vertrag aus. Der heute 31-Jährige hat bereits gesagt, dass es in Europa keinen anderen Klub mehr für ihn geben werde. München, pour toujours. Francks Reich. „Er hat seine Heimat gefunden“, sagt Rummenigge. Und irgendwie kann man das verstehen.

Thomas Müller antwortete clever, auch wenn er sich in einen Gemeinplatz flüchten musste. „Man muss gar nichts“, entgegnete er auf die für ihn durchaus heikle Frage, ob man verstehen müsse, dass er lange 45 Minuten auf der Bank gesessen hatte. Keinesfalls wollte der beste deutsche WM-Torschütze 2014 eine Personaldiskussion entfachen, außerdem „muss bei uns ja immer einer draußen sitzen“. Und da trifft es, obwohl der eigentliche Stammspieler Franck Ribery (31) in der Rückrunde wegen seines Muskelfaserrisses noch kein einziges Mal über die linke Flanke stürmen konnte, immer dieselben Offensivkräfte: Robert Lewandowski (26), Mario Götze (22) und eben Müller (25). Arjen Robben (31) ist zu Recht gesetzt. Aber auch Xabi Alonso (33) und Bastian Schweinsteiger (30) durften in allen drei Bundesliga-Begegnungen 2015 vom Anpfiff bis zum Abpfiff mitspielen. In Stuttgart wirkte sich diese Aufstellung vor dem Wechsel hinderlich aus. Die Bayern hatten bis zu Robbens Volltreffer in des Gegners Strafraum nicht stattgefunden, obwohl sich Lewandowski vorne emsig kreuz und quer bewegte, vergebens jedoch, den Ball erhielt der einsame Einzelkämpfer eher nicht. Hinter dem Mittelstürmer gähnte in der vorderen Mittelfeldregion vor der VfB-Viererkette eine geräumige Freifläche, die erst im zweiten Durchgang der in diesem Bereich immer umtriebige Müller und der da ebenso befähigte und torgefährliche Mario Götze ausfüllten.

Nun gab es die nötigen Anspielstationen. Pep Guardiola hatte seine Fehlkonstruktion zur Pause korrigiert und Müller eingewechselt. „Wir hatten sicher Probleme, in der ersten Halbzeit torgefährlich zu sein“, räumte dieser Müller ein und verwies wie sein Trainer, wie Manuel Neuer, Robben oder Götze auf die fundamentale Wichtigkeit des ersten Sieges 2015, Hauptsache gewonnen, wenn auch nur dank der zwei Wuchtschüsse. Also könnte „die Art und Weise etwas schöner sein“, so Müller, der zudem zugab, „dass noch nicht jeder einzelne Spieler in der Topverfassung ist, in der man gerne wäre“ – Ausnahme Robben, „aber von uns anderen muss mehr kommen“. Diese zutreffende, kollektive Selbstkritik ehrt Müller. Zwar festigte David Alabas frühes 2:0 die Ballsicherheit der Münchner, doch ihr Passgeschiebe blieb weiter wenig zielgerichtet und verlor sich im torungefährlichen Niemandsland. Zumeist ging es vom rund um den Mittelkreis hin- und hertrabenden Xabi Alonso aus, immer mehr auch von Schweinsteiger, der zuweilen auf die Seiten auswich.

Beide mühten sich um eine einvernehmliche Zusammenarbeit, beide hatten die Hoheit im Münchner Mittelfeld, Xabi Alonso noch etwas mehr. Sogleich drängt sich allerdings die Frage auf, ob die vereinten FCB-Weltmeister und -Weltstars, vor allem jene hinter der Mittellinie, nahezu schon automatisch möglichst jeden Ball dem Kollegen Xabi Alonso übergeben müssen, damit der ihn ein paar Meter weiterschiebt. Für den spanischen Weltmeister 2010 wurden in Stuttgart 134 Ballkontakte und 116 Pässe gezählt, dieser Topwert innerhalb der Bayern-Elf beschleunigt jedoch nicht unbedingt das Bayern- Spiel, zu oft dimmt Xabi Alonso das Tempo auf seine arg dosierte persönliche Geschwindigkeit herunter. Höchsten physischen Ansprüchen genügen in ihrer aktuellen Verfassung weder Xabi Alonso noch Schweinsteiger. Auch wenn beide Routinieres eine gewisse Zeit zur Verfeinerung ihrer Kooperation verdienen, wird ihr Chef irgendwann die heikle Entscheidung – Alonso oder Schweinsteiger? – nicht mehr vertagen können, spätestens dann nicht, wenn im März tatsächlich Philipp Lahm, Javi Martinez und Th iago zurückkehren sollten. Guardiolas bisherige, gleichsam selbstverständliche Treue zu Xabi Alonso wird dann zu hinterfragen sein.

So undurchsichtig Pep Guardiola sein Personalpuzzle oft zusammensetzt, so spannend ist es. Vor allem in der Offensive. Franck Ribery trainiert seit Anfang der Woche wieder mit der Mannschaft und erweitert gegen den HSV ein hochkarätiges Quartett zum Quintett, aus dem der Trainer wählen kann. Arjen Robben, Thomas Müller, Mario Götze und Robert Lewandowski heißen die übrigen Kandidaten. Viermal in dieser Spielzeit durften diese fünf Topstars in der Liga gemeinsam ran, abgesichert nur durch Xabi Alonso. Bayern gewann 1:0 gegen Leverkusen und in Berlin, 4:0 gegen Hoffenheim, 2:0 gegen Freiburg. Vorne Tore, hinten die Null, das Argument der fehlenden Balance mit zu vielen Offensivspielern sticht nicht. Taktisch ließ Guardiola dann im 4-1-3-2 spielen. Seit dem Rückrundenstart erteilt Guardiola nur noch drei Offensivkünstlern sein Mandat. In Abwesenheit von Ribery saßen Götze, Lewandowski und Müller bei Anpfiff je einmal auf der Bank, Robben spielte immer. Und Bayerns Offensive leidet.

Ganze vier Treffer in drei Partien, davon nur zwei aus dem Spiel heraus. Genauso entlarvend: Magere zwölf Chancen erspielten sich die Münchner in diesem Zeitraum. Ein Wert, den sie in Topform in 90 Minuten locker schaffen. Sowohl beim 1:4 in Wolfsburg als auch beim 2:0 in Stuttgart klaffte ein Loch zwischen dem defensiven Mittelfeld und der einzigen Spitze. Ein Zehner als Anspielstation fehlte, Überzahlsituationen ebenso. „Bis zum ersten Tor ist es immer sehr schwierig, weil die Räume nicht da sind“, erklärt Götze. Die Dringlichkeit eines – zuletzt fehlenden – Zehners lässt sich statistisch nicht beweisen. In 85 Pflichtspielen verzichtete Guardiola 55-mal darauf. 78,18 Prozent der Spiele gewann sein Team, 10,91 verlor es. Mit Zehner sieht es minimal schlechter aus: 76,67 Prozent Siege gegen 10,0 Prozent Niederlagen. Letztlich kommt es wohl nicht auf die Position an, sondern ob Spieltempo und Aufteilung stimmen. Drei, vier oder fünf Offensive? Guardiola muss darauf antworten. Ein gesunder Ribery will immer spielen, Robben sowieso. Bei seinem letzten Comeback kam Ribery aber dreimal als Joker, ehe er in der Startelf randurfte. Müller, Götze und Lewandowski reagieren auch nicht begeistert auf Bankzeiten. Die Alternative? Auf Bastian Schweinsteiger oder Xabi Alonso verzichten. Das aber hat sich Guardiola noch nicht getraut, wenn beide voll spielfähig waren.

Hamburg:  Es war nur eine Episode. Doch sie steht beinahe symbolisch für die ersten rund fünf Monate beim Hamburger SV – und die zurückliegenden zwei Jahre. Auf Facebook hatte Lewis Holtby vor rund einer Woche ein Foto von sich mit Zeugwart Mario Mosa gepostet und damit gleich gegen zwei, erst zum Jahresanfang festgelegte Regeln verstoßen: Das Bild stammte aus der Kabine, und er trug eine Basecap des falschen Ausrüsters. Die fällige Geldstrafe triff t ihn weit weniger als die derzeitige Situation: Der 24-Jährige ist noch wochenlang außen vor. Auch das ist irgendwie symbolisch. Im Trainingslager hatte sich Holtby einen Trümmerbruch des Schlüsselbeins zugezogen, die Zwangspause wird länger als die zunächst veranschlagten zehn Wochen betragen. Neben den Schmerzen („Die 24 Stunden bis zur Operation waren das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe“), tut Holtby vor allem die Auszeit weh, weil er in seinem ersten Halbjahr nahtlos an seine verlorene Zeit in England angeknüpft hat. Mit viel Vorschusslorbeer geholt, war er zwischenzeitlich kein uneingeschränkter Stammspieler, sondern immer öfter auf dem Verschiebebahnhof gelandet: Holtby war Zehner, Sechser, Achter, Linksaußen – oder draußen. Die enttäuschende Bilanz: 14 Einsätze (davon 13 in der Startelf), kein Tor, ein Assist. Sein ehrliches Bekenntnis: „Klar erwarte ich mehr von mir.“

Dass er zu wenig tut, um mehr zu leisten, attestiert ihm keiner der Vorgesetzten, mit Christian Titz etwa engagiert er einen Privattrainer für regelmäßige Zusatzschichten. Vielmehr drängt sich die Frage auf, ob Holtby manchmal nicht zu viel macht? Auf dem Feld gestikuliert und dirigiert er permanent auch in Richtung der erfahrenen Kräfte und macht sich damit nicht nur Freunde. Für die eigenen Fans übernimmt er bereitwillig die Rolle des Animateurs. Große Gesten, die noch nicht zu den vergleichsweise kleinen Leistungen passen. Dabei weiß Holtby, dass er in der Pfl icht steht, an die herausragende Zeit in Mainz und das hervorragende letzte Halbjahr auf Schalke anzuknüpfen: „Ich bin 24, ich bin kein Talent mehr.“ Die Meriten aus der goldenen Zeit als „Bruchweg Boy“ will er dabei ebenso hinter sich lassen wie eineinhalb sportlich unbefriedigende Jahre auf der Insel und den Fehlstart in Hamburg. „Zu viel von der Vergangenheit zu reden, ist nicht hilfreich.“ Der HSV ist bereits sein vierter Klub seit Mainz und hat Holtby für 6,5 Millionen Euro fest verpflichtet. Ein Vertrauensvorschuss, dem der einstige Frontman der Combo noch gerecht werden muss.

Rafael van der Vaart war zu Scherzen aufgelegt, als er am Samstag um kurz nach 22 Uhr das Treppenhaus der Hamburger Arena verließ. Der Niederländer fasste sich an den Kopf, grinste frech und rief voller Ironie: „Die haben wir schön an die Wand gespielt.“ Eine Szene, die zweierlei aussagt: Hamburgs Profis können wieder lachen und spüren Befreiung nach einem Doppelschlag in der englischen Woche, der ihnen erstmals seit über einem Jahr ein wenig Luft im Tabellenkeller verschafft. Und sie scheinen doch nicht gefährdet, insbesondere den Sieg gegen Hannover überzubewerten. Peter Knäbel hatte den Blick am Tag darauf direkt wieder nach vorn gerichtet, auf den FC Bayern. „Spiele gegen eine der besten Mannschaften der Welt sind immer ein Fest“, sagt der Direktor Profifußball vor der kommenden Aufgabe und stellt klar: „Natürlich ist es die größtmögliche Hürde für uns, aber es ist kein Spiel, in dem wir nichts zu verlieren haben. Wir konnten sie beim 0:0 im Hinspiel in Schach halten, ihr erstes Heimspiel der Rückrunde gegen Schalke haben sie nicht gewonnen.“ Hamburg will wieder mutig daherkommen. Ohne übermütig zu sein. Realismus, der auch zum Spiel des HSV passt. Wie schon in Paderborn hatte Joe Zinnbauer seine Elf gegen Hannover abwartend ins Rennen geschickt. Die Brisanz in der Tabelle und auf dem Personalsektor, fügt er an, erfordere diesen Stil.

„Natürlich ist das nicht der Fußball, den ich mir vorstelle, aber uns fehlen fünf Stammspieler. Wenn Pierre-Michel Lasogga und Lewis Holtby dabei wären, würde ich auch anders spielen lassen.“ Keiner der schmerzlich Vermissten wird aber am kommenden Samstag zurück sein: Dennis Diekmeier soll ins Lauftraining einsteigen, Cleber hat diesen Schritt bereits vollzogen, auch bei Lasogga besteht nach einer Untersuchung bei Dr. Müller- Wohlfahrt und einer Zahn-Operation Zuversicht, dass er zumindest nicht noch weitere Wochen fehlt. Holtby und Behrami indes müssen noch länger ersetzt werden. Deshalb streicht Zinnbauer heraus: „Wir müssen uns für den Sieg nicht entschuldigen.“ Marcell Jansen, mit zwei Toren und zwei weiteren Torbeteiligungen der Gewinner der englischen Woche, analysiert die Situation ähnlich wie sein Trainer. „Spielerisch fehlt uns sicher einiges, aber wir leben den Abstiegskampf.“ Eine Aussage, die durch Zahlen belegt wird. 128,9 gelaufene Kilometer bedeuten ligaweit einen neuen Saisonrekord. Positiv-Bestmarken haben sie lange nicht aufgestellt in Hamburg, Jansen jedoch geht auch mit dieser Zahl ehrlich und selbstkritisch um. „Wir müssen derzeit sicherlich auch deshalb so ein Pensum abspulen, weil uns Leichtigkeit und Selbstsicherheit fehlen. Aber wir sind bereit dazu, alles zu tun, um aus dieser Spirale rauszukommen.“ Realistische Selbsteinschätzungen, die dem Direktor Profifußball gefallen. Weil sie seiner Sichtweise entsprechen. „Von Platz sieben bis 18 ist es relativ eng derzeit, in ein paar Wochen werden sich einige Teams nach oben verabschiedet haben.“ Dass sein HSV trotz zweier Siege noch nicht automatisch dazugehören muss, räumt Knäbel offen ein. „Nach oben gucken müssen wir nun wirklich noch nicht.“

Er ist ein angenehmer Zeitgenosse. Marcell Jansen ist gut erzogen, steht bereitwillig Rede und Antwort, ganz gleich ob Fans oder Medienvertreter Redebedarf anmelden. Das Verhältnis zueinander ist gefestigt nach sechseinhalb Jahren. Und stand während der Winterpause doch vor dem Ende. Weil der Linksfuß seinen Bossen zu viele Worte verlor und zu wenig Taten sprechen ließ, haben sie ihm und seinem Berater Gerd vom Bruch zunächst signalisiert, dass er die Freigabe erhalten würde. Und anschließend, da ein Wechsel zu Benfi ca Lissabon gescheitert war, Druck gemacht. Seitdem funktioniert der Ex-Nationalspieler. Eine Zukunft beim HSV über den Sommer hinaus indes garantiert ihm die Leistungsexplosion nicht automatisch. Weil in der Vergangenheit auf ein Hoch immer wieder auch ein Tief gefolgt ist. „Wenn ich im November eine Volksbefragung im Stadion gemacht hätte“, sagt Peter Knäbel, „hätten wahrscheinlich die meisten Fans gesagt, wir könnten Marcell abgeben. Jetzt aber“, weiß der Direktor Profifußball, „rufen wieder alle: Mit dem müsst ihr sofort verlängern.“ Knäbel hat sich in seinen ersten vier Monaten eingehend mit der Geschichte des Hamburger Kaders und mit der von Jansen befasst.

Er verrät deshalb auch dieses Detail. „Ich habe ihn schon nach seinem starken Spiel in Paderborn zur Seite genommen und gesagt, dass wir von ihm erwarten, dass er darauf jetzt weitere gute Spiele folgen lassen muss und nicht nachlassen darf.“ Jansen setzte die Vorgabe um, traf nach dreifacher Torbeteiligung bei den Ostwestfalen auch gegen Hannover. Skepsis bleibt dennoch. Wegen eines Faserrisses hat der Ex-Münchner erst in 9 von 20 Ligaspielen zur Startelf gehört. Diese Bilanz ist symptomatisch. Nur viermal in seiner nun siebten Spielzeit an der Elbe absolvierte er mehr als die Hälfte aller Bundesligapartien. Seinen Saisonrekord verbuchte er 2012/13 mit 28 Startelf-Nominierungen; 2011/12 waren es noch 26, 2008/09 gerade 22, 2013/14 lediglich 21. Die Ausfallzeiten waren erklärbar mit Verletzungen, verschiedene Bosse aber hegten deshalb häufi g Zweifel: Schon unter Bruno Labbadia hatte Jansen zunächst einen schweren Stand, weil er untrainiert die Vorbereitung aufgenommen und sich dann direkt verletzt hatte; Armin Veh wollte ihn am liebsten aussortieren, weil er ihm zu viel redete und auch Ex-Sportchef Oliver Kreuzer hielt die Ausgangslage, dass der Blondschopf mit auslaufendem Kontrakt in diese Spielzeit startete für ideal aus der Perspektive des Klubs, denn: „Er ist am stärksten, wenn er Druck hat.“ Kreuzers Th ese füllt Jansen dieser Tage mit Leben. Hamburgs Entscheider stehen deshalb vor einer Abwägung. Aktuell können sie auf Jansens Dynamik und Abschlussqualität nicht verzichten. In der Zukunft hatten sie dies eigentlich geplant. „Wir werden in der Länderspielpause reden“, sagt Knäbel. Das bedeutet für Jansen, der gern bleiben würde: Ihm helfen bis Ende März keine Sympathiepunkte, sondern ausschließlich endlich konstante Leistungen.

Bayern München - Hamburger SV Live Stream


Das Spiel zwischen Bayern München und Hamburger SV wird am Samstag, den 14.02.2015 um 15:30 Uhr angestoßen. Nicht jeder hat das Glück das Spiel live im Stadion sehen zu können und muss auf diverse TV-Übertragungen oder mögliche Live Streams im Internet hoffen.

So bieten möglicherweiße Sport-Sender wie Sky, Eurosport oder Sport1 einen eigenen Livestream an, der legal ist und eine gute Qualität aufweist. Wie gewohnt wird die Vorberichterstattung etwas früher beginnen. Also schaltet einfach rein, und seid live dabei, wenn es heißt: Bayern München vs Hamburger SV!

Allerdings gibt es noch weitere ausländische Livestreams im Internet, die das komplette Spiel übertragen werden, diese könnt ihr eventuell im Livestream-Portal "xstream.to" finden. Außerdem könnt ihr die vielen Liveticker nutzten, die im Internet verbreitet sind.

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